Stiftungen treffen Münchner Trichter

Es sollte ein Ausflug in die Welt der Jugendkulturarbeit werden und wurde zu einer beeindruckenden Erfahrung, wie vielfältig Kreativität sein kann

Am 24. Mai startete um 13 Uhr eine kleine Reisegruppe im Neuperlacher FestSpielHaus, fuhr weiter zu Kontrapunkt e.V., zum Medienzentrum und endete im Feierwerk. Karin Georgi von der Dr. Rudolf und Christa Castringius Stiftung und Martin Schütz von der Stiftung Otto Eckart wollten sich über Angebote und Inhalte von Jugendkulturarbeit informieren.

Micaela Czisch und Dr. Helmut von Ahnen vom FestSpielHaus schilderten mit leisen Tönen ihr Angebot und dessen Wirkung bei Kindern und Jugendlichen. Wer hört, dass Kinder hungrig zur Theaterprobe in die Schule kommen und deshalb das Treffen mit Brezen und Äpfeln beginnt, bekommt eine Vorstellung von den Lebensbedingungen. Dass dann gemeinsam leidenschaftliche Lyrik-Rezitationen erarbeitet werden, liegt nicht zuletzt an Pädagog_innen, die an die Kraft und Leistung der Kinder glauben und nicht nur ihre Defizite sehen. Da ist es nur eine Konsequenz, dass das FestSpielHaus inzwischen auch eine Theaterschule hat.

Weiter ging es zu Kontrapunkt/IMAL. Das Betreten des großen Raumes war wie das Eintauchen in einen schöpferischen Ort, an dem hoch konzentriert gearbeitet wird. Hier erfuhren die Besucher_innen von Uli Gläss, wie gemeinsam mit den Jugendlichen ihre künstlerischen Fähigkeiten entdeckt und entwickelt werden. IMAL ist inzwischen sogar mit anderen Kreativeinrichtungen international vernetzt.

Im Medienzentrum München konnten Aufnahmen für das AfK-Fernsehen beobachtet und schließlich für das Radio Störfunk ein Interview gegeben werden. Beeindruckt haben hier die moderne Technik und die Berichte von Günther Anfang und Elke Michaelis über den souveränen Umgang der Kinder und Jugendlichen mit dem Equipment. So entstehen nicht nur interessante eigene Produktionen, sondern es entwickelt sich auch eine kritische und selbstbewusste Haltung gegenüber Medien.

Weiter ging es zum Feierwerk, ein Ort, der zwar immer noch ein Inbegriff der Jugendkulturarbeit ist, inzwischen aber dazu Angebote für Kinder und Familien, sogar ein Mehrgenerationenhaus hat. Das Sunny Red mit seinen beeindruckenden Graffitis, die Veranstaltungsräume, überhaupt, die Entwicklung des Feierwerks zeigen beispielhaft, wie lebendig Jugendkulturarbeit ist. Pädagog_innen sind immer nah dran, ihre Arbeit verändert sich laufend bzw. ist im Fluss, wie Jugendkultur eben auch.

Um 17 Uhr, nach Theater, bildender Kunst, Fernsehen, Radio und Musik war klar, Jugendkulturarbeit erreicht ganz unterschiedliche Jugendliche und macht richtig Spaß. Der Vorteil ist, dass hier Ausdrucksmittel von Jugendlichen im Mittelpunkt stehen und am Können der jungen Menschen angesetzt wird. Ob dann jemand Schauspieler oder Regisseur wird ist nicht wichtig. Was zählt ist, dass die Mitwirkenden sich ausprobiert haben. Was bleibt? Z.B. mehr Selbstbewusstsein, sich besser bewegen oder frei sprechen können oder das Bewusstsein, sein eigenes Projekt durchgeführt und damit durchgehalten zu haben. Das sind doch gute Voraussetzungen für den Einstieg ins Erwachsenenleben.