Kinder- und Jugendkultur ist nicht nur das Arbeitsfeld vieler Mitgliedseinrichtungen. Vielmehr ist es ein zentrales Anliegen des Münchner Trichters, Kindern und Jugendlichen Räume für kreative Gestaltung und Eigen-Sinn zu erhalten und zu schaffen. Wir initiieren innovative Maßnahmen und fördern Impulse und Ideen der nachwachsenden Generation.

Children and youth culture is not only the main field of activity of our members. It is the main interest of the Münchner Trichter to create an environment for children and young people where they can experience creativity and self-will. We initiate innovative actions and we foster and promote the impulse and ideas of the next generation.

 

 

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„Perspektiven Kultureller Bildung“

Wie kann das Verständnis von „Kultureller Bildung“ griffig gefasst werden? Auch innerhalb des Münchner Trichters ist das ein heiß diskutiertes Thema. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, verschiedene Perspektiven von „innen“ und von „außen“ einzufangen. Die so dargestellte Vielfalt sollte Grundlage für weitere Annäherungen sein. Damit diese Auseinandersetzung nicht innerhalb eines kleinen Zirkels bleibt, wurde die Homepage des Münchner Trichters vorübergehend zur Plattform für die Inputgeber_innen. Mit 20 Beiträgen geben wir verschiedenen Perspektiven Raum, welche einen bunten Strauß an Aspekten, Reflexionen und Sichtweisen wiederspiegeln.  Sie können auf vier Kernaussagen verdichtet werden:

Jede_r hat das Recht auf Kulturelle Bildung
Das Recht auf kulturelle Bildung ist ein zentrales Element vieler Beiträge. Diese Rechtfertigung ist eine wichtige Legitimation für die Arbeit in diesem Bereich. Auf kommunaler Ebene gilt kulturelle Bildung als Querschnittsaufgabe, international ist sie z. B. in der UN-Menschenrechtskonvention verankert. Das Münchner Kulturreferat hat zur Kulturellen Bildung ein 10 Punkte-Programm und ein Konzept verabschiedet. Das Referat für Bildung und Sport und das Jugendamt möchten weiterhin gute Rahmenbedingungen für Kulturelle Bildung schaffen. Der aktuelle Bildungsbericht der Bundesregierung benennt erstmals Kulturelle Bildung als Kernaufgabe im Bildungssystem.

Kulturelle Bildung wird gelernt
Kulturelles Kapital entscheidet auch über Chancen zur Lebensgestaltung. Jugendkulturarbeit kann zur Entwicklung des kulturellen Kapitals einen wichtigen Beitrag leisten; Kunstprojekte als Ergänzung des Bildungssystems, Spielen als Lernmethode oder Jugendmedianarbeit. Kreative Schaffensprozesse sind Bildung. Kunst lebt vom Austausch, vom Diskurs, stellt eigene Haltungen und Werte in Frage, öffnet Diskurse. Das Eintauchen in die Praxis durch ein Auslandspraktikum hilft andere Milieus und Verhaltensweisen zu entdecken und kann zum Kampf gegen Rassismus beitragen. Denn wer sich mit anderen auseinandersetzt, muss eigene Deutungsmuster hinterfragen. Ein wichtiges Element ist dabei die Peer-to-Peer-Education.

Wer Wert auf kulturelle Bildung legt, muss auch die Ressourcen dafür zur Verfügung stellen. Es bedarf eines gut ausgebildeten Personals,  Fortbildungen und einer leistungsfähigen Ausstattung. Kulturprojekte dürfen nicht zur Disposition stehen, wenn es wieder einmal um Sparmaßnahmen geht, europaweit.

Kulturelle Bildung zeigt Spuren
Kultur ist einem steten Wandel unterworfen. Umgangsformen, Kunst, Sprache, Musik, Literatur u. v. m. ändern sich. Damit umzugehen, aber einen Rahmen aufrechtzuerhalten, darum geht es in der kulturellen Bildung. In diesem Zusammenhang kann kulturelle Bildung eine Triebfeder für Bildungsgerechtigkeit und kulturelle Teilhabe sein. Sie bietet Spielraum für Inklusion. Sie setzt Maßstäbe für den Umgang mit Mitmenschen, Verantwortung und das Verständnis füreinander.

Kultur ist Ausdruck und Bewegung
Kreativität ist das Unerwartete; sie ist ein schöpferischer Akt und unplanbar. Sie ist ein entscheidendes Element in einer demokratischen Gesellschaft. Kulturelle Bildung ist ein aktives individuelles Tun und ein gemeinsames Gestalten, wobei es immer verschiedene Kulturen innerhalb einer Gesellschaft gibt. Dies auszuhalten oder einzugreifen ist ebenso Teil der Vermittlungsarbeit, wie das Schaffen von Freiräumen zur Selbstverwirklichung.

Die Beiträge finden Sie in oben abgebildeter Broschüre. Sie beschäftigen sich mit theoretischen und praktischen sowie internationalen und kommunalen Aspekten der Kulturellen Bildung und beschreiben Theaterarbeit, Bildende Kunst, Spiel, Medien- und Friedensarbeit. Darüber hinaus geben sie Einblicke in die jugendliche Lebenswelt.

 

 

 

Die Künstlerin Sara Raschke

im Gespräch mit Martina Ortner

Sara Raschke ist 25 Jahre alt und studiert an der Kunstakademie München Grafik und Malerei. Sie hat die Broschüre „Perspektiven Kultureller Bildung“ illustriert. Vor wenigen Jahren war sie bei IMAL. In dieser Zeit stellte sie eine Bewerbungsmappe für die Kunstakademie zusammen – und war erfolgreich. Bei ihren Arbeiten geht es ihr weniger um technische Perfektion, als vielmehr um den Aspekt des Humors, den sie durch sprachliche Elemente einzubauen versucht. Sie möchte später einmal von ihrer Kunst leben können, das muss aber nicht sein. Hauptsache, so sagt sie, ihr ginge nie der Spaß daran verloren.

 

Martina: Wann hast du gemerkt, dass dir Kunst Spaß macht?

Sara: Kunst bzw. kreativ sein hat mir schon immer Spaß gemacht. Ich habe immer schon sehr gerne Comics gelesen und habe irgendwann selbst versucht, welche zu zeichnen. Während meiner Probezeit für die Ausbildung zur Medienkauffrau hat der Spaß am Zeichnen und Malen dann sozusagen „überhand“ genommen.

Wie kam es zu der Idee, Kunst zum Beruf zu machen?

Die Idee, Kunst zum Beruf zu machen und voran zu treiben, kam mir während des Jahres, an dem ich im IMAL (International Munich Art Lab) teilgenommen habe. Die große Unterstützung und Förderung, die mir dort entgegen gebracht wurde, hat mir die Hemmung genommen, mich an der Kunstakademie in München zu bewerben. Ich profitiere noch heute von dieser Zeit, weil ich gelernt und erfahren habe, dass elitäres und ergebnisorientiertes Denken nicht alles ist. Wenn man seinen Weg mit Freude und Motivation beschreitet, wird er eventuell schwierig, aber sicherlich der eigene Weg sein.

Was heißt das für einen jungen Menschen, das Berufsziel Künstlerin zu haben?

Das Berufsziel „Künstler“ stößt meiner Erfahrung nach oft auf Unverständnis, welches häufig dem Sicherheitsbedürfnis und sehr geradlinigem Denken in unserer Gesellschaft entspringt. Ich glaube aber, egal welchen Berufsweg man einschlägt, wer dies aus Überzeugung und Leidenschaft tut, ist mit Sicherheit seinem persönlichen Erfolg ein ganzes Stück näher, auch wenn dieser Erfolg nicht genau plan- bzw. messbar ist.

Wie war das für dich, als Künstlerin angefragt zu werden eine Broschüre zum Thema Kulturelle Bildung zu illustrieren?

Das hat mich einfach nur überrascht und gefreut!

Was ist für dich im Bereich Kulturelle Bildung besonders wichtig?

Ich glaube, das hängt ganz von der Situation, der Person und ihrem Hintergrund und Interesse ab. Jeder sollte als individueller Mensch so gefördert und motiviert, wie es ihm oder ihr entspricht.
Ich denke kulturelle Bildung im Allgemeinen sollte zugänglicher oder attraktiver für alle werden, denn kreativ ausdrücken kann sich schließlich jeder in seiner eigenen Weise. Viele haben jedoch eine große Hemmschwelle, das zu tun und sagen: „Ich kann das nicht.“ Diese Hemmung sollte weitestgehend abgebaut werden, denn erfolgreiche kulturelle Bildung funktioniert sicher besser, wenn sich derjenige Mensch, an den sich das Angebot richtet, nicht unter Druck gesetzt, sondern vielmehr „eingeladen“ fühlt.